Wenn du über 50 bist, hast du eine hohe Wahrscheinlichkeit, irgendwann einmal Gürtelrose zu bekommen. Das ist nicht nur ein unangenehmer Hautausschlag - es kann jahrelang schmerzen, sogar nachdem die Bläschen verschwunden sind. Die gute Nachricht: Es gibt eine Impfung, die das fast vollständig verhindern kann. Und sie ist nicht nur wirksam - sie ist auch die einzige, die heute in Deutschland und den USA verfügbar ist.
Was ist der rekombinante Zoster-Impfstoff?
Der rekombinante Zoster-Impfstoff, bekannt unter dem Markennamen Shingrix, ist kein lebender Impfstoff. Das bedeutet: Er enthält kein Virus, das sich vermehren könnte. Stattdessen enthält er ein einzelnes Protein des Varizella-Zoster-Virus - das Glykoprotein E - zusammen mit einem starken Adjuvans namens AS01B. Dieses Adjuvans verstärkt die Immunantwort des Körpers, sodass er den Erreger besser erkennt und bekämpft, wenn er später auftaucht.
Früher gab es Zostavax, einen lebenden Impfstoff. Der war weniger wirksam und durfte nicht bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem gegeben werden. Seit November 2020 ist Zostavax weltweit vom Markt genommen worden. Shingrix ist jetzt der einzige zugelassene Impfstoff gegen Gürtelrose. Und er ist deutlich besser: Er schützt zu mehr als 90 % vor Gürtelrose - und das über mindestens sieben Jahre hinweg.
Wer sollte den Impfstoff bekommen?
Die Empfehlung ist klar und einfach: Alle Erwachsenen ab 50 Jahren sollten zwei Dosen Shingrix bekommen - unabhängig davon, ob sie schon einmal Gürtelrose hatten oder nicht. Selbst wenn du als Kind Windpocken hattest (was fast jeder tut), bist du immer noch gefährdet. Das Virus bleibt lebend in deinen Nerven und kann decades später wieder aktiv werden.
Darüber hinaus gilt die Impfung auch für Menschen ab 19 Jahren, die ein geschwächtes Immunsystem haben. Das betrifft zum Beispiel:
- Menschen mit Krebs, die Chemotherapie bekommen
- Patienten nach einer Organtransplantation
- Personen mit HIV, die nicht gut kontrolliert sind
- Menschen, die langfristig Cortison oder andere Immunsuppressiva einnehmen
- Personen mit Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Morbus Crohn
Die Impfung ist hier besonders wichtig. Bei geschwächtem Immunsystem ist das Risiko für schwere Verläufe mit Nervenschmerzen, Augen- oder Gehirnbeteiligung viel höher. Und weil Zostavax nicht für diese Gruppe geeignet war, war es bis vor einigen Jahren ein riesiges Versäumnis in der Prävention - jetzt ist es nicht mehr so.
Wie wird die Impfung verabreicht?
Shingrix braucht zwei Dosen. Die erste Dosis kannst du jederzeit bekommen - wenn du dich entscheidest. Die zweite Dosis wird 2 bis 6 Monate später gespritzt. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann die zweite Dosis auch schon nach 1 bis 2 Monaten gegeben werden, damit der Schutz schneller aufgebaut wird.
Die Spritze wird in den Oberarm (Deltamuskel) gegeben. Die Nadel ist je nach Körpergröße unterschiedlich: Bei leichteren Personen reicht eine kürzere Nadel, bei größeren oder schwereren Personen wird eine längere verwendet. Die Impfung wird von Ärzten, Apothekern und Impfzentren verabreicht - du brauchst keinen Spezialisten.
Wichtig: Der Impfstoff muss gekühlt bleiben (2-8 °C) und kurz vor der Anwendung aufgelöst werden. Er ist nur 6 Stunden haltbar, nachdem er aufgelöst ist. Das bedeutet: Du bekommst ihn frisch - und nicht aus dem Kühlschrank der Praxis.
Wie wirksam ist er wirklich?
Die Zahlen sprechen für sich:
- 97,2 % Schutz vor Gürtelrose bei 50- bis 59-Jährigen
- 97,4 % Schutz bei 60- bis 69-Jährigen
- 91,3 % Schutz bei 70 Jahren und älter
- 91 % Schutz vor postherpetischer Neuralgie (Dauerschmerzen) bei 50-69-Jährigen
- 89 % Schutz vor Dauerschmerzen bei 70+
Im Vergleich dazu: Zostavax schützte nur zu 51 % vor Gürtelrose und zu 67 % vor den langanhaltenden Schmerzen. Shingrix ist nicht nur besser - er ist fast doppelt so wirksam. Und er schützt auch bei Menschen, die schon einmal Gürtelrose hatten. Studien zeigen: Wer nach einer Infektion geimpft wird, reduziert sein Risiko für eine Wiederholung um mehr als 90 %.
Welche Nebenwirkungen gibt es?
Shingrix ist stark - und das merkst du auch. Die meisten Menschen haben nach der Impfung einige Tage lang Beschwerden. Das ist normal. Es ist kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist - es ist ein Zeichen dafür, dass dein Immunsystem aktiv wird.
Typische Nebenwirkungen:
- Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle (bei 78-88 % der Geimpften)
- Muskelschmerzen (45 %)
- Erschöpfung (40 %)
- Kopfschmerzen (33 %)
- Frösteln (23 %)
- Fieber (17 %)
- Übelkeit oder Durchfall (14 %)
Etwa jeder sechste Geimpfte berichtet, dass die Symptome so stark waren, dass er oder sie zwei bis drei Tage lang nicht normal arbeiten oder seine Routine durchführen konnte. Aber: Alle Symptome verschwinden innerhalb von 2-3 Tagen. Keiner der Nebenwirkungen ist dauerhaft. Und viele, die schon einmal Gürtelrose hatten, sagen: „Ich würde es wieder tun - die Schmerzen der Krankheit waren viel schlimmer.“
Was ist mit früheren Impfungen?
Wenn du schon Zostavax bekommen hast - egal ob vor einem Jahr oder vor zehn - solltest du trotzdem Shingrix bekommen. Die Empfehlung lautet: Warte mindestens fünf Jahre nach der letzten Zostavax-Dosis, dann bekommst du zwei Dosen Shingrix. Du brauchst nicht auf eine neue Infektion zu warten. Auch wenn du schon Gürtelrose hattest, ist die Impfung sinnvoll. Der Schutz durch die Krankheit selbst ist unzuverlässig. Die Impfung bietet einen viel sichereren und längeren Schutz.
Kosten und Versicherung
Shingrix kostet etwa 175 Euro für beide Dosen. In Deutschland wird die Impfung von der gesetzlichen Krankenversicherung für alle ab 60 Jahren übernommen - und auch für Menschen ab 19 Jahren mit erhöhtem Risiko. Private Versicherungen übernehmen die Kosten ebenfalls. Du musst also nicht selbst zahlen, wenn du in die empfohlene Gruppe fällst. Frag einfach deine Krankenkasse oder deinen Arzt - es gibt keine versteckten Hürden.
Warum ist das wichtig?
Gürtelrose trifft jeden dritten Menschen im Laufe seines Lebens. Bei über 70-Jährigen ist das Risiko noch höher. Und die Folgen? Jeder vierte Betroffene entwickelt postherpetische Neuralgie - das sind Nervenschmerzen, die monatelang oder jahrelang anhalten. Manche Menschen können nicht mehr schlafen, nicht mehr arbeiten, nicht mehr anziehen. Es ist kein „nur ein Hautausschlag“. Es ist eine ernsthafte Erkrankung, die die Lebensqualität massiv beeinträchtigt.
Und trotzdem: Nur etwa 35 % der Menschen über 60 sind geimpft. Das ist viel zu wenig. Die Weltgesundheitsorganisation und die CDC wollen bis 2030 eine Impfquote von 70 %. Wir sind weit davon entfernt. Jede Impfung zählt. Jede Dosis verhindert Schmerzen, Krankenhausaufenthalte und lebenslanges Leid.
Was, wenn du zögerst?
Manche sagen: „Ich bin gesund, ich brauche keine Impfung.“ Aber du kannst nicht sehen, ob dein Immunsystem im Stillen schwächelt. Stress, Alter, Medikamente, sogar ein Infekt - alles kann das Virus wieder aktivieren. Du kannst nicht abwarten, bis du krank wirst. Dann ist es zu spät.
Manche sagen: „Die Nebenwirkungen sind zu stark.“ Aber die Nebenwirkungen sind kurz. Die Krankheit ist lang. Und sie ist schlimmer, als du denkst.
Die Impfung ist die einzige echte Prävention, die wir haben. Sie ist sicher, wirksam und von allen medizinischen Verbänden empfohlen - von der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie bis zur Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Es gibt keinen vernünftigen Grund, sie nicht zu bekommen, wenn du in die Zielgruppe fällst.
Darf ich den Shingrix-Impfstoff bekommen, wenn ich schon einmal Gürtelrose hatte?
Ja, du kannst und sollst dich impfen lassen, auch wenn du schon einmal Gürtelrose hattest. Die Krankheit bietet keinen dauerhaften Schutz. Das Virus bleibt in deinen Nerven und kann erneut ausbrechen. Die Impfung senkt das Risiko einer Wiederholung um mehr als 90 %. Du bekommst zwei Dosen, mindestens fünf Jahre nach der Erkrankung.
Ist der Impfstoff auch für jüngere Menschen geeignet?
Ja - und zwar für alle ab 19 Jahren, die ein geschwächtes Immunsystem haben. Das gilt für Menschen mit Krebs, nach Transplantationen, mit HIV, Autoimmunerkrankungen oder langfristiger Cortisontherapie. Für gesunde Menschen unter 50 ist die Impfung nicht empfohlen, da das Risiko für Gürtelrose dort sehr niedrig ist.
Was passiert, wenn ich die zweite Dosis vergesse?
Wenn du die zweite Dosis nicht innerhalb von 6 Monaten bekommst, musst du nicht von vorne anfangen. Auch wenn du erst nach einem Jahr oder zwei die zweite Dosis bekommst - sie wirkt trotzdem. Der Schutz ist dann nicht optimal, aber die zweite Dosis wird trotzdem empfohlen, um den vollen Schutz aufzubauen.
Kann ich mich impfen lassen, wenn ich Fieber habe?
Wenn du ein leichtes Fieber oder eine Erkältung hast, kannst du dich trotzdem impfen lassen. Wenn du jedoch an einer schweren akuten Krankheit leidest - zum Beispiel mit hohem Fieber, starken Schmerzen oder einer Infektion mit Organbeteiligung - solltest du die Impfung verschieben, bis du wieder gesund bist.
Gibt es Gegenanzeigen?
Ja - nur bei einer schweren allergischen Reaktion (wie Anaphylaxie) auf einen Bestandteil des Impfstoffs oder nach einer früheren Dosis. Wenn du allergisch gegen Polyethylenglykol (PEG) oder andere Inhaltsstoffe bist, solltest du das deinem Arzt sagen. Ansonsten gibt es keine echten Kontraindikationen.
Mats Schoumakers
Januar 18, 2026 AT 22:13Endlich mal jemand, der die Wahrheit sagt! Diese Impfung ist nicht nur sinnvoll, sie ist eine absolute Notwendigkeit. Wer ab 50 ist und sich weigert, Shingrix zu nehmen, spielt mit seinem Nervensystem Roulette. Ich hab’ Zostavax gehabt – und das war wie ein Lichtschwert gegen eine Feder. Shingrix? Das ist ein Panzer. Die Nebenwirkungen? Kacke, aber vorübergehend. Die Gürtelrose? Das ist ein Jahrzehnt voller Schmerzen, das du nicht überlebst, wenn du jung bist – und schon gar nicht, wenn du alt bist. Wer das nicht macht, ist einfach nur faul oder in einer Wirklichkeitsblase. Ich hab’ meinen Opa verloren, weil er ‘es nicht nötig hatte’. Jetzt reden wir über seine Schmerzen. Nicht über seine Impfung. Das ist traurig.
Renate Håvik Aarra
Januar 19, 2026 AT 23:33Der rekombinante Zoster-Impfstoff (RZV) basiert auf einem glykoprotein-basierten Antigenansatz mit AS01B-Adjuvans, welches eine Th1- und Th17-gerichtete Immunantwort induziert – eine signifikante Verbesserung gegenüber dem lebenden attenuierten Impfstoff (Zostavax), der primär humoral reagierte. Die Wirksamkeit von >90 % über sieben Jahre ist statistisch hochsignifikant (p < 0.001) und wurde in mehreren Phase-III-Studien (ZOE-50, ZOE-70) bestätigt. Die postherpetische Neuralgie-Reduktion liegt bei 89–91 %, was die Impfung zur einzigen evidenzbasierten Primärpräventionsmaßnahme macht. Die Impfintervalle von 2–6 Monaten sind gemäß STIKO- und CDC-Richtlinien standardisiert. Jede Abweichung – z. B. Verzögerung über 12 Monate – reduziert den seroconversion-Effekt um bis zu 18 %, laut einer Kohortenstudie aus dem Jahr 2022. Es gibt keine medizinische Rechtfertigung für Nichtimpfung in der Zielgruppe.
Inger Karin Lie
Januar 20, 2026 AT 21:18Ich hab’s letztes Jahr gemacht 🤕… war total kaputt zwei Tage, aber ich würde es sofort wieder tun. Meine Oma hatte Gürtelrose und hat drei Jahre lang nicht mehr schlafen können… das ist kein ‘nur ein Ausschlag’, das ist ein Monster. Danke für diesen Text – endlich mal klar und ohne Angstmache. 🙏❤️
else Thomson
Januar 22, 2026 AT 09:01Der Körper vergisst nicht. Aber er braucht Hilfe, sich zu erinnern.
Marit Darrow
Januar 22, 2026 AT 14:32Ich habe den Impfstoff bei meiner Mutter (78) veranlasst – sie war skeptisch, weil sie ‘nie krank war’. Nach der ersten Dosis hatte sie Muskelkater im Arm und dachte, sie hätte einen Schlaganfall. 😅 Aber nach der zweiten Dosis sagte sie: ‘Jetzt fühle ich mich sicherer als seit 40 Jahren.’ Die Kosten wurden von der Krankenkasse übernommen, kein Problem. Wer behauptet, das sei teuer, kennt die wahren Kosten der Krankheit nicht. Gürtelrose kostet das Gesundheitssystem Milliarden. Jede Impfung spart Geld. Und Leid.
Bjørn Vestager
Januar 24, 2026 AT 06:58Ich bin 54, gesund, Sportler, esse Bio, trinke nur Wasser – und trotzdem: Ich hab’ mich impfen lassen. Warum? Weil ich nicht warten will, bis mein Immunsystem nachlässt – und ich dann plötzlich in einer Welt aus Schmerzen aufwache, die ich nicht mehr kontrollieren kann. Ich hab’ meinen Vater erlebt, wie er nachts schrie, weil er sich nicht mehr bewegen konnte. Ich will nicht wie er sein. Shingrix ist kein ‘Luxus’, es ist ein Akt der Selbstfürsorge. Die Nebenwirkungen? Ein paar Tage ungemütlich. Die Krankheit? Ein Leben lang. Das ist keine Wahl. Das ist Logik. Und ich will leben – nicht nur überleben.
Martine Flatlie
Januar 24, 2026 AT 13:09Ich hab’s gemacht und hab’ mich danach gefühlt wie nach einem Marathon… aber es war es wert. 🌞 Ich hab’ meinen Bruder letztes Jahr verloren – er hatte Gürtelrose und dachte, ‘das geht schon wieder’. Es ging nicht. 😢 Danke für den klaren Text – jetzt verstehen es auch meine Eltern. 💪
Astrid Garcia
Januar 25, 2026 AT 03:46Wer sagt, die Nebenwirkungen seien zu stark, hat noch nie Gürtelrose gehabt. Punkt. Ich hab’s. Und ich würde lieber zwei Tage krank sein als zwei Jahre schreien. Mach die Impfung. Einfach. Jetzt.